Grünes Grillen für gelbe Kreuze

Bei Wein, Bier und Grillwurst hatten sich heute gut 25 grün-Bewegte zusammengefunden, um gemeinsam Holzkreuze anzufertigen.

Die gelben Kreuze, wie eines bereits seit langem vor dem bündnisgrünen Kreis- und Abgeordnetenbüro in der Rudolf-Breitscheid-Allee zu sehen ist, sind im Wendland Ausdruck des individuellen Protestes gegen die Atom-Endlager-Bestrebungen in Gorleben. In Ostbrandenburg richten sie sich gegen die Pläne zur unterirdischen Speicherung von CO2.
Der in unserem Ortsverband beheimatete Landtagsabgebordnete Michael Jungclaus zur Neuenhagener Aktion:

Michael, was soll mit den heute gefertigten Kreuzen geschehen?

Wir haben jetzt ersteinmal ungefähr zwanzig Holzkreuze unterschiedlicher Größe. Diese Kreuze werden in den nächsten Tagen über ganz Neuenhagen verteilt auftauchen: in Fenstern, an Gartenzäunen, an Toreinfahrten. Das soll aber nur ein Anfang sein. Wir möchten für die CCS-Thematik sensibel machen, mobilsieren und möglichst auch neue Mitstreiter finden.

Warum hier in Neuenhagen? Die ins Auge gefassten Speicherstätten liegen doch viel weiter östlich?

CCS geht alle Brandenburger an. Erstens wird unser Bundesland neben Schleswig-Holstein als geologisch besonders gut geeignet angesehen, die CO2-Verpressung wird sich also hier konzentrieren. Zweitens würden die geplanten Lager nur eine geringe Kapazität haben und andernorts weitere Erkundungen nach sich ziehen. Drittens wären auch wir Neuenhagener von den Unwägbarkeiten der CCS-Lagerung direkt betroffen.

Welche wären das genau?

Das CO2 soll unter hohem Druck in die Erdschichten verpresst werden. Wenn die umgebenden Gesteinsschichten doch nicht so dicht sind wie angenommen, kann beispielsweis Salzwasser ins Grundwasser gelangen und dieses großflächig gefährden – auch in Neuenhagen. Und wie gesagt: Beeskow und Neutrebbin würden nur ein Anfang sein. Neuerschließungen müssten aus Kapazitätsgründen zwangsläufig geschehen.

Meinst du, dass die CCS-Proteste bei der brandenburgischen Landesregierung fruchten könnten?

Auf jeden Fall. Die Landesregierung hatte zugesagt, dass es eine CO2-Speicherung nur geben wird, wenn alle Bundesländer an einem Strang ziehen. Mit dem Ausstieg von Niedersachsen und Schleswig-Holstein ist das nun nicht mehr gegeben. Die Landesregierung muss nun an ihr Versprechen erinnert werden – von möglichst vielen Bürgern!

Und wie geht es weiter?

Wir hoffen, dass die Holzkreuze in Kürze aufgebraucht sind und wir neue machen müssen. Wer übrigens irgendwo ein gelbes Kreuz sichtet (das kann auch außerhalb von Neuenhagen sein), kann bei unserer Aktion „Sag mir wo die Kreuze stehn …“ auf Facebook mitmachen – und mit etwas Glück ein Buch von Martin Balluch gewinnen. Es heißt „Widerstand in der Demokratie“!

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